Mittwoch, 1. August 2018

Über die Wut

Über die Wut

Die Wut ist so überaus wichtig und heilsam für die Verarbeitung innerer Prozesse, vor allem in der Bearbeitung von traumatischen Erlebnissen.
Mich macht es wütend, wenn ich davon höre und lese, dass Aggression und Wut sogleich in Vergebung und Liebe gewandelt werden soll. Menschen, die so etwas raten, haben die Wut in ihrer Wirkung so garnicht verstanden.

Die Wut holt starre und blockierte Emotionen mit ihren Erlebnissen, die oftmals die Gefühle von Ohnmacht hervorrufen, aus der Tiefe hervor. Sie durchbricht innere Mauern und leitet das nach außen, was im Innern meist über Jahre hinweg geschmort hat.

Wenn sich ein traumatisierter Mensch, gerade ein Mensch, der Gewalt und Missbrauch erfahren hat, in der Phase der Aggression und der Wut befindet, weiss ich, dass er auf dem Weg der Besserung ist.

Da darf auch gegen Menschen gewütet werden, damit das Gefühl von OpferSein sich wandeln kann hin zum TäterSein.

Ich hole mir mein Recht zurück Mensch zu sein, Ich zu sein. All das was du mir genommen hast.
Ich hole mir mein Leben zurück, von der Situation, die es mir genommen hat.

Das Überdecken mit einem: Gehe in die Vergebung
Mantel fördert nur weitere Traumatisierung und Handlungsunfähigkeit.

Vergebung geschieht in der Verarbeitung. Wenn der Verarbeitung denn Möglichkeit gelassen wird die notwendigen Prozesse zu durchlaufen.
Und was Vergebung dann bedeutet darf sehr individuell sein.

Wut ist gesund. Wut ist herrlich. Wut befreit.
Sie wird erst zu einem Geschwür, wenn Schuldgefühle sie blockieren und verdrängen.